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infoXpand

Wechselwirkungen zwischen Infodemie und Pandemie

Projektinhalte und Ziele

Die COVID-19-Pandemie wurde von einer „Infodemie“ begleitet, d.h. einem Übermaß an Informationen über das Virus, Schutzmaßnahmen und staatliche Eingriffe. Insbesondere die im Internet verbreiteten Fehlinformationen und Verschwörungstheorien wurden für die zunehmende Meinungspolarisierung, Radikalisierung und das sinkende Vertrauen in Institutionen verantwortlich gemacht. Es wurde davor gewarnt, dass dies die Pandemie angeheizt und ihre Bewältigung noch schwieriger gemacht habe. Modelle von Krankheitsausbreitung, wie sie zur Vorhersage von Pandemiedynamiken verwendet werden, lassen jedoch außer Acht, dass Informationen und Pandemie eine komplexe Wechselwirkung bilden.

Diese Modelle berücksichtigen zwar, dass z.B. niedrige Impfraten die Zahl der Krankenhausaufenthalte erhöhen, aber sie lassen außer Acht, dass das Wissen um die zunehmende Zahl von Krankenhausaufenthalten die Menschen motiviert, sich impfen zu lassen. Unser Hauptziel in infoXpand ist es, diese Rückkopplungsschleife zwischen Pandemie und Informationsverbreitung zu verstehen und daraus Vorschläge für zukünftige Entscheidungsträger abzuleiten. Zu diesem Zweck haben wir ein interdisziplinäres Konsortium mit einzigartiger Expertise in den Bereichen Pandemiemodellierung, Meinungsdynamik, Mobilität und menschliches Verhalten gegründet.

Wir entwickeln und analysieren in enger Verflechtung agentenbasierte Modelle und Kompartimentmodelle, die sowohl die klassische Krankheitsdynamik als auch die Meinungsdynamik erfassen. Wir kalibrieren kritische Modellannahmen mit Daten aus sozialwissenschaftlichen Umfragestudien und Verhaltensexperimenten sowie mit umfangreichen Mobilitätsdaten.

Projektaufbau

Das Projekt infoXpand ist in vier Teilprojekte gegliedert.

  • Teilprojekt 1
    Das Zusammenspiel zwischen Infodemie und Pandemie verstehen.
  • Teilprojekt 2
    Die Entwicklung und der Vergleich von agentenbasierten Modellen und Makromodellen, welche Krankheits- und Meinungsdynamik kombinieren.
  • Teilprojekt 3
    Das Identifizieren der Bedingungen, unter denen die Infodemie unerwünschte Auswirkungen auf die Krankheitsdynamik hat und staatliche Eingriffe behindert.
  • Teilprojekt 4
    Die Ermittlung von Interventionsstrategien, die unerwünschte Auswirkungen von Infodemien verhindern.

Projektverantwortliche und -partner

  • Dr. Viola Priesemann (Koordinatorin) aus dem Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation, Göttingen (MPIDS)
  • Univ.-Prof. Dr. phil. André Calero Valdez aus dem Institut für Multimediale und Interaktive Systeme (IMIS), Universität zu Lübeck
  • Prof. Dr. Mirjam E. Kretzschmar von der Universität Utrecht
  • Prof. Dr. Michael Mäs aus dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT)
  • Prof. Dr. Kai Nagel von der Technische Universität Berlin